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Ein offener Brief an Papst

 

Heiliger Vater, Eure Heiligkeit!

Es möge Frieden auf der Welt herrschen! Wir beten zum Allmächtigen Gott, dass Sie gesund bleiben und den Staat der Vatikanstadt immer erfolgreich leiten würden. Auch möge es Ihnen stets gelingen, die Frohe Botschaft zu verbreiten wie auch die irdischen Seelen zu betreuen!

Ich bin eine Katholikin aus Taiwan (Formosa), unser Staat pflegt seit langem offizielle diplomatische Beziehung mit Vatikan. Und bevor ich Sie mit meiner Petition behellige, möchte ich Ihnen und Vatikan zunächst dafür herzlich danken, dass sich die 300 000 Katholiken auf dieser so weit weg von Ihnen liegenden Insel seit ehe und jeh Ihrer Fürsorge und –bitte erfreuen dürfen. Nun aber erlauben Sie mir zunächst, mich Ihnen kurz vorzustellen.

Geboren im Jahr 1945, wuchs ich in Südtaiwan auf. Mein Vater war eine Respektperson unter Japanischer Besatzung (Taiwan wurde im Jahr 1895 von China nach einem verlorenen Krieg an Japan abgetreten, ist dann ein halbes Jahrhudnert später, also im Jahr1945, wieder in die Hand des Regimes von Chang Kei-shek, einem weltbekannten ruchlosen Diktator, gefallen) und wurde in 1947 in dem sogenannten 228 Massaker von Chiang Kai-sheks Soldaten ermordet. Kurz danach nahm sich meine Mutter das Leben, weil sie den Mord an ihrem Mann durch das Regime nicht verkraften konnte. Ich wuchs demnach deshalb VATERLOS und mutterseelenallein auf, eben weil Taiwan an sein VATERLAND zurückgekehrt war und die Taiwaner eine andere Muttersprache hatten, - in Chiang Kai-sheks Augen waren die Taiwaner damals irgenwie Hochverräter, weil sie fünfzig Jahre lang nolens volens Japaner gewesen waren. Getrennt von meiner Schwester wurde ich dann adoptoiert und zu Katholikin getauft, als ich noch ganz klein war. Mein seliger Mann war Professor an der Stattlichen Universität für Ozean in Keelung, Taiwan, hat ebenfalls bis zu seinem Tod gegen CHIANG Kai-sheks Regime gekämpft. Soweit über mich. Nun noch etwas Näheres zum Schicksal von Taiwan.

CHIANG Kai-shek und sein Sohn CHIANG Ching-kuo regierten Taiwan mit Kriegsrecht bis 1987. Tausende, aber Tausende von Taiwanern waren brutal ermordet oder eingekerkert worden, bis CHIANG Kai-shek im Jahr 1975 und sein Sohn im Jahr 1988 starb. Länger al ein Jahrzehnt brauchte diese kleine Insel dann noch, um sich von dem Schatten seiner Vergangenheit einigermassen zu befreien. Eine Vergangenheitsbewältigung und –aufarbeitung hat es bis dato jedoch nicht geben können. Im Jahr vom 2000 hat die kaum 15 Jahre alte Opposition endlich geschafft, die Präsidentenwahl zu gewinnen. Das war Präsident CHEN, Shui-Bian, der seinerzeit sowohl sein Leben als auch seine Karriere als erfolgreichen Rechtsanwalt riskierte, als er das Kriegsrecht ignorierte und von der KMT mit aller Härte verfolgte politische Gefangene verteidigte, die CHIANG Jing-Guo am Spätabend seines Lebens eigentlich hätte am liebsten alle hinrichten lassen wollen.

Herr CHEN Shui-bian, dessen Frau in einem Wahlkampf gegen den Kandidaten der KMT von einem Wagen kurioserweise überfahren wurde und seitdem querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt, war 1994-1998 direkt gewählter Bürgermeister von Taipei und von 2000 – 2008 ebenfalls direkt gewählter Präsident von Taiwan. An der Befreiung Taiwans vom diktatorschen Regimes der KMT war Herr CHEN in einem sehr hohen Grad beteiligt. Darüber hinaus hat er auch durch seinen Status als Präsident von Taiwan dazu beigetragen, dass die internationale Gesellschaft in Taiwan eine junge Demokratie erkannt hat, wenn auch nicht unbedingt als einen souveränen Staat anerkannt. Herr CHEN wurde dadurch ein Dorn im Auge der kommunistischen Partei Chinas und der KMT, wie es nicht anders hätte sein können, weil diese beiden Parteien mehr Wert auf ein geeintes China als auf Demokratie und Menschenrechte legen und in einem demokratisierten Inselstaat Taiwan nichts anderes als eine abtrünnige Provinz von China erblicken.

Im März 2008 wurde Herr MA Ying-Jiou, ehemaliger Sekretär von CHIANG Ching-kuo und amtierender Parteivorsitzende der KMT seit 2008, zum Präsidenten von Taiwan gewählt. Kurz darauf wurde sein Amtsvorgänger CHEN Shui-bian verhaftet und sitzt nun schon seit fast 4 Jahren im Gefängnis - im übrigen auch ganz im Sinne von Beijing - angeklagt und verurteilt wegen ‚Korruption‘. Es war nicht zu übersehen, dass der ganze Prozess gegen ihn von einer unsichtbaren Hand manipuliert wurde. Ein Richter davon wurde beispielsweise sofort ausgetauscht, nachdem er sein Urteil gefällt hatte, das nicht gerade den Erwartungen von Hrn. MA und der KMT-Partei entsprach,. Ferner hat der KMT-Präsidetn MA Ying-Jiou u.a. auch noch den Leiter der Justiz-Instanz zu sich ins Präsidentenhof eingeladen, um eigens vor ihnen seinen Unmut über jenes Urteil zum Ausdruck zu bringen, wie es die Medien live berichteten.

Versuche und Bemühungen etlicher internationaler Prominenten, denen die Entwicklung der Demokratie in Taiwan sehr am Herzen liegt, haben bislang leider nicht Herrn CHENs Befreiung erzielen können. Was mich heute zu diesem Schreiben an Sie veranlasst, ist aber vielmehr der Umstand, dass Herr CHEN, der inzwischen mehrfach ins Krankenhaus geliefert werden mußte, derart schlecht behandelt worden ist, dass wir fürchten müssen, er schwebe in Lebensgefahr. Darüber hinaus beunruhigt uns die jüngste Neuigkeit, dass Herrn CHEN vom Arzt im Gefängnis Medikamente wie Ativan verschrieben wurde, ohne dass er davon gewusst hätte. Leute, die ihn in der letzten Zeit besuchen durften, haben alle den Eindruck, dass sein Verstand unter dem Einfluss dieses Medikaments sehr an Schärfe und Klarheit eingebüsst habe. Wir, und mit uns weitere Hunderttausende, haben also Grund genug, um uns Sorgen wegen Herrns CHENs ungewissem Schicksal zu machen. Seines Beitrags zur Demokratisierung Taiwans gedenkend, wende ich mich nun an Eure Heiligkeit und bitte Sie, für ihn zu beten und ihn nach Möglichkeit von dieser Notlage zu befreien, die er auf keinen Fall verdient hat.

Herr CHEN teilt zur Zeit einen engen, winzigen Raum mit einem anderen Sträfling, der kaum 4 Quadratmeter umfasst, mit einem Klosett mitten drin. Auch darf er nicht wie die anderen Gefängnisinsassen an körperlicherTätigkeit in der Gefängniswerkstatt teilnehmen, was zusehends zur Verkrümmung seines Körpers geführt hat und glatter Menschenrechtsverletzung gleichkommt. Dies ist doch bereits in Widerspruch zu dem Inhalt von den beiden Menschenrechtsverträgen der UNO geraten, die Präsident MA Ying-Jiou selber als Staatsoberhaupt von Taiwan unterzeichnet hat. Meines Wissens würde das deutsche Gesetz es auch verbieten, zwei Sträflinge in einer Zelle zu halten, die kleiner als 7 Quadratmeter ist, weil es eine solche Massnahme als Menschwürdigkeitsverletzung auffasst. Im Vergleich damit ist es um Herrn CHEN noch schlimmer bestellt, geschweige denn, dass es sich bei ihm um eine Persönlichkeit handelt, die einst einen entscheidenden Beitrag zur Demokratisierung dieses Landes geleistet hat. Im folgenden werde ich den Fall von Herrn CHEN kurz erläutern.

Herr CHEN wurde der Straftat bezichtigt, er habe öffentliches Geld für privaten Zweck ausgegeben und außerdem Spenden von Unternehmern für bestimmte Gegenleistung angenommen, die er dann auf illlegalem Weg ins Ausland transferierte. Dr. Yuanze LI, Der taiwanische Nobelpreisträger für Chemie, hat diesbezüglich schonmal die Frage aufgeworfen, weshalb die Spenden an Hrn. CHEN direkt mit Korruption in Verbingung gebracht werden sollten, während diese KMT-Partei während ihrer 40jährigen Diktatur mit Gewalt soviel Reichtum angesammelt hat und nach der Liberalisierung Taiwans keinen Cent an den Staat zurückzugeben brauchte. Dazu hat sie, diese KMT-Partei, zigfach mehr Spenden von allen möglichen Seiten angenommen. Ihr passiert aber nichts. Hrn. CHREN ist diese Ungerechtigkeit zugestossen, zweifelsohne gerade weil er gegen die KMT mit an der Demokratisierung Taiwans gewirkt hat! Unvorstellbar erscheint uns, dass eine solche Persönlichkeit von einer Regierungspartei mit einer solchen hässlichen Vergangenheit ins Gefängnis geworfen wurde und nun seit länger als 4 Jahre in seiner Zelle sitzt, Beleidigungen aller Formen und Sorten ausgesetzt.

Eure Heiligkeit! Sie würden uns einen riesigen Trost spenden, wenn Sie für unseren ehemaligen Präsidenten beten könnten und, wenn´s nur irgendwie möglich sein könnte, jemand zu ihm ins Gefängnis delegieren würden, um nach dem Rechten zu sehen - der Staat der Vatikanstdt unterhält in Taipei ja eine Vertretung -, ganz wie es in der Bibel geschrieben steht:

“Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ (Matthäus-Evangelium 25. 35 36)

Mit herzllichen Grüssen
Ihre Licai LIN
2012.04.05 Kaoshung, Taiwan

台灣e新聞